Pferdezucht heute

Die heutige Zucht ist überwiegend privatem Engagement zu verdanken, da staatliche Gestüte die Kosten für eine reine Erhaltung nicht mehr tragen können. Der Großteil der Zuchttiere befindet sich in der Hand kleiner Privatzüchter, mit jeweilig unterschiedlichsten Rassenvorlieben. Die Basis für die Pferdezucht in Deutschland & Österreich sind das Tierzuchtgesetz sowie die Verordnung über Leistungsprüfung und Zuchtwertfeststellung.

Wie andere Tiere auch, werden Pferde heute nicht mehr nur auf natürlichem Wege, also durch das Zusammenführen von Hengst und Stute, vermehrt. Auch hier haben künstliche Besamung und Embryotransfer Einzug gehalten. Diese Entwicklung wird durchaus kritisch betrachtet.

Zu den Vorteilen der künstlichen Besamung zählen theoretisch die geringere Belastung der Tiere, da Transportwege entfallen und die Risiken für Verletzungen und Krankheitsübertragung minimiert werden, sowie die theoretischen Kostenvorteile für den Züchter.

Nachteilig sind zum einen die schlechteren Befruchtungserfolge bei Stuten und zum anderen besteht langfristig die Gefahr einer genetischen Verarmung, da bekannt offensiv vermarktete „Modehengste“ ihre Erbanlagen nun überdurchschnittlich oft weitergeben können.

Reinzucht
Bei der Reinzucht werden nur Tiere der gleichen Rasse miteinander angepaart, das geschlossene Zuchtbuch. Die Folge: die meisten Tiere sind sich in Aussehen und Charaktereigenschaften recht ähnlich und es gibt überschaubar wenig extreme Ausnahmen. Bei der Reinzucht sollten Züchter ein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der genetischen Vielfalt legen. Eine zu enge Blutführung kann zu nicht unerheblichen Gesundheitsproblemen führen. 

Veredlung
Die Veredlung einer Rasse durch Einzucht einiger weniger Individuen mit gewünschten Eigenschaften ist Standard in der Pferdezucht. So wurden in vielen Rassen Araber, Vollblüter oder Trakehner zur Veredlung eingesetzt. Im Gegensatz zur Einkreuzung wird der Veredler gezielt anhand gewünschter Eigenschaften ausgesucht.

Kreuzung
Bei der Kreuzung wird versucht, die Eigenschaften zweier Rassen zusammenzuführen. Die beiden Ursprungsrassen werden im Zuchtverlauf immer wieder zur Blutauffrischung und Verfestigung der Zuchtrichtung eingekreuzt. 

Abstammung
Bei Pferden ist der Generationenabstand verhältnismäßig lang. Stuten haben selten mehr als sechs Nachkommen, dadurch können sie ihre Merkmale nicht im selben Maße weitervererben wie Hengste, die eine ganze Zuchtlinie begründen können. Bestes Beispiel hierfür ist die Zucht des Englischen Vollblüters, bei der 95 % der Rassetiere auf einen Hengst zurückgehen.

Die Abstammung eines Pferdes wird meist mit drei Hengsten aus dem Stammbaum charakterisiert, siehe nachfolgende Grafik:

der Vater, oftmals mit V abgekürzt
der Muttervater, oftmals mit MV abgekürzt
der Mutter-Mutter-Vater, oftmals mit MMV abgekürzt 

Der Anfangsbuchstabe des Zuchtnamens eines Pferdes bestimmt sich je nach Zuchtverband oftmals nach dem Anfangsbuchstaben des Namens des Vaters (häufigste Variante, insbesondere in Warmblutzuchten), nach dem Anfangsbuchstaben des Namens der Mutter (Englisches Vollblut) oder aber nach dem Geburtsjahr.

Ein einmal vergebener Zuchtname kann nicht mehr geändert werden.

Um die Bedeutung der Mutterstuten darzustellen, wurden insbesondere in der Holsteiner Zucht alle Stutenstämme durchnummeriert und werden entsprechend benannt.